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Veröffentlicht von Prof. Dr Dorothee Gänshirt am 06. November 2026

L–Cystein für die Haare

Was braucht ein Haar eigentlich, um kräftig zu wachsen? Pflege ist wichtig – doch die Festigkeit eines Haars entsteht schon viel früher: beim Aufbau in der Haarwurzel. Dafür braucht der Körper die richtigen Bausteine.

Stellt Euch ein Eiweiß wie eine lange Perlenkette vor. Jede Perle ist eine Aminosäure. Auch Keratin, der wichtigste Baustoff unserer Haare, wird aus solchen „Perlen“ zusammengesetzt.

Eine dieser Aminosäuren ist Cystein. Es enthält Schwefel. Dadurch können Verbindungen zwischen den Keratinketten entstehen, die dem Haar Festigkeit geben. Zwei miteinander verbundene Cystein-Moleküle nennt man L-Cystin.

Was geschieht, wenn der Haarwurzel nicht genügend passende Bausteine zur Verfügung stehen? Die Keratinbildung hört nicht plötzlich auf. Aber der Aufbau des Haars kann beeinträchtigt sein: Es kann weniger kräftig nachwachsen oder leichter brechen.

Und hier wird es spannend: Der Körper braucht Cystein nicht nur für die Haare. Er verwendet es auch, um Glutathion zu bilden – einen körpereigenen Schutzstoff gegen oxidativen Stress. Wird dieser Schutz stark beansprucht, muss Glutathion wiederhergestellt oder neu gebildet werden. Dafür braucht der Körper ebenfalls Bausteine.

Haarwachstum ist für uns wichtig, für den Körper aber keine lebensnotwendige Aufgabe. Deshalb lohnt sich der Blick auf die Versorgung der Haarwurzel, auch wenn kein eindeutiger Mangel festgestellt wurde. Das erklärt nicht jedes Haarproblem. Es zeigt aber, weshalb schönes Haar schon lange vor der Pflege beginnt: bei seinem Aufbau von innen.

Autor:

Prof. Dr Dorothee Gänshirt