wenn es um den spannenden Rohstoff Curcumin geht, dann kommen wir an Entzündungen nicht vorbei. Denn in der entzündungshemmenden Wirkung liegt das große Potenzial des Curcumins. Deshalb müssen wir zunächst einmal klären, was Entzündungen eigentlich sind. Sind sie sinnvoll oder schädlich – oder ist es sogar beides?
Entzündungen – wenn sinnvoller Schutz zum Problem wird
Entzündungen sind zunächst etwas ausgesprochen Sinnvolles. Wenn wir uns verletzen oder Krankheitserreger eindringen, reagiert unser Immunsystem mit einer akuten Entzündung: Die Durchblutung steigt, Immunzellen wandern in das betroffene Gewebe ein, beschädigte Zellen und mögliche Erreger werden beseitigt und Reparaturprozesse eingeleitet. Ist die Aufgabe erfüllt, klingt die Entzündung wieder ab.
Und wenn die Entzündung nicht mehr aufhört?
Anders sieht es bei chronischen Entzündungen aus. Hier bleibt das Immunsystem über längere Zeit oder dauerhaft aktiviert und schädigt dadurch auf Dauer unser Gewebe. Das erleben wir beispielsweise bei rheumatoider Arthritis oder Arthrose in den Gelenken, bei Multipler Sklerose an den Nervenzellen, bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Die eigentlich schützende Entzündungsreaktion wird zum Teil eines Krankheitsgeschehens.
Die „stille“ Entzündung
Besonders spannend ist eine Form, deren enorme Bedeutung wir erst in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend verstanden haben: die niedriggradige chronische oder „stille“ Entzündung (low-grade inflammation). Sie ist meist keine klar begrenzte Entzündung eines einzelnen Organs, sondern vielmehr eine dauerhafte, niedriggradige Aktivierung des Immunsystems im ganzen Körper. Dabei werden über längere Zeit geringe Mengen entzündungsfördernder Botenstoffe freigesetzt – oft aus Fettgewebe, Gefäßwänden, Darm, Leber oder Immunzellen – ohne typische Zeichen wie Schmerz, Rötung oder Fieber.
Heute wissen wir, dass solche Prozesse bei der Entstehung und für die Prognose der meisten großen chronischen Erkrankungen eine entscheidende Rolle spielen – beispielsweise bei Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Adipositas, Fettleber, neurodegenerativen Erkrankungen, bestimmten Krebserkrankungen und vielen mehr.
Gerade diese Erkenntnis hat unser Verständnis vieler chronischer Erkrankungen in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich verändert: Entzündungsprozesse verbinden Erkrankungen miteinander, die man früher häufig völlig getrennt betrachtet hat. Und genau deshalb ist die Regulation von Entzündungen heute eines der zentralen Themen in der Medizin. Entzündungshemmende Medikamente spielen bei vielen chronisch-entzündlichen Erkrankungen bereits eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wächst das wissenschaftliche Interesse an natürlichen Wirkstoffen, die Entzündungsprozesse beeinflussen können – sowohl chronische Entzündungen als auch die niedriggradigen, „stillen“ Entzündungsprozesse.
Denn wir verstehen zunehmend: Entzündungen zu regulieren bedeutet nicht, sie grundsätzlich auszuschalten. Es geht darum, eine lebenswichtige Reaktion dort zuzulassen, wo wir sie brauchen – und zu verhindern, dass sie zum dauerhaften Treiber von Krankheit wird.
Und hier kommen natürliche Entzündungshemmer ins Spiel, und Curcumin steht dabei im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das enorme Potenzial der Kurkumawurzel – wenn es um Schmerz- und Entzündungslinderung bei chronischen Erkrankungen und um Gesundheitsprävention im Hinblick auf stille Entzündungen geht – werden wir beim nächsten Mal genauer beleuchten.
Bleibt dran …
Prof. Dr. Dorothee Gänshirt
Geschäftsführerin BENEGANIC GmbH